Nitrate Nitrate sind Salze der Salpetersäure. Das – nicht nur in der Medizin – bekannteste Nitrat ist das Glyceroltrinitrat (besser bekannt als Nitroglycerin). Anwender eines Nitro-Sprays brauchen aber keine Angst zu haben: Auch heftiges Schütteln kann nicht zu einer Explosion des Fläschchens führen – dazu sind die Mengen einfach zu gering.
Keine Sorge: so explosiv
wirkt es am Herzen zum Glück nicht Nitrate führen zu einer erhöhten Bereitstellung von NO (Stickoxid). NO stimuliert das Enyzm lösliche Guanylatcyclase. Dies fördert die Entstehung von cGMP (zyklisches Guaninmonophosphat), welches an der glatten Muskulatur zu einer Entspannung führt. Arterielle und venöse Gefäße enthalten in der Gefäßwand solche glatten Muskeln. Durch deren Erschlaffung unter Nitrate n kommt es zu einer Gefäßerweiterung. Nitrate wirken daher bei Sauerstoffmangel im Herzen doppelt positiv: Zum einen kommt es durch die Erweiterung der Gefäße in der Peripherie (z.B. Beingefäße, Kopfgefäße) zu einer Entlastung des Herzens, da dieses gegen einen geringeren Druck anarbeiten muss. Zum anderen führt die Erweiterung der Herzkranzgefäße zu einer besseren Durchblutung des Herzmuskels. Bevor man erkannte, dass NO für die Gefäßerweiterung maßgeblich verantwortlich ist, nannte man diese noch unbekannte Substanz EDRF (Endothelial Derived Relaxing Factor).
Das ist die
Formel von Nitroglycerin
Nitrate werden daher in der Therapie akuter Sauerstoffmangelzustände des Herzens angewendet, z.B. beim Angina pectoris-Anfall (Brustenge durch Sauerstoffmangel im Herzmuskel), beim akuten Herzinfarkt oder bei Krämpfen der Koronargefäße, die für die Blut- und damit die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels verantwortlich sind. Auch in der Therapie chronischer Herzkrankheiten haben sich Nitrate bewährt. Sie werden bei verengten Herzkranzgefäßen zur Vorbeugung von Myokardischämien (Sauerstoffmangel im Herzmuskel) eingesetzt, aber auch bei schwerer Herzschwäche zur Entlastung des Herzmuskels. (Beachten Sie bitte auch alle weiteren Artikel "rund um's Herz", die am Ende dieses Textes einzeln aufgeführt sind) Aufgrund ihrer raschen und zuverlässigen Wirkung beim akuten Angina pectoris-Anfall stellen sie nicht nur eine gute Therapie dar, sondern können sogar diagnostisch eingesetzt werden: Wenn eine Brustenge unklarer Entstehung auf Nitrate sofort und drastisch anspricht, so ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass Verengungen der Herzkranzgefäße die Ursache für die Beschwerden sind. Weitere diagnostische Maßnahmen machen dann einen Sinn. Gallen- und Nierenkoliken (und diese Krankheiten gehören nicht zu den zugelassenen Indikationen) sprechen wegen der Entspannung der glatten Muskulatur des Gallenganges bzw. des Harnleiters allerdings auch oft gut auf Nitrate an.
Nitrate:
Die Nebenwirkungen ergeben sich ebenfalls aus der entspannenden Wirkung auf die glatten Muskeln. Die Erweiterung der Gefäße kann zu Blutdrucksenkungen führen, die manchmal erwünscht (wenn etwa ein Bluthochdruck vorliegt), mitunter aber unerwünscht sein können. Die daraus resultierenden Beschwerden sind Müdigkeit, Schwäche, Schwindel, Schwarzwerden vor den Augen. All diese Beschwerden können besonders intensiv beim schnellen Aufstehen in Erscheinung treten (orthostatische Dysregulation). Da auch die Gefäße im Kopf erweitert werden, kann es bei Einnahme von Nitraten zu einem mitunter sehr unangenehmen Kopfschmerz kommen. Bei einem akuten Herzanfall wäre diese Nebenwirkung als kleines Übel in Kauf zu nehmen, zumal die Akut-Nitrate nur wenige Minuten wirken, und der Kopfschmerz dann schnell nachlässt. Bei der chronischen Einnahme von Langzeit-Nitraten zur Vorbeugung kann es besonders bei zu hohen Dosen zu Therapiebeginn zu diesen Kopfschmerzen kommen. Diesen kann aber ganz einfach begegnet werden, indem man dann nach Absprache mit dem Arzt auf eine ganz geringe Dosis zurückgeht, die jeweils nach einigen Tagen stufenweise gesteigert wird, bis die gewünschte Dosis erreicht ist. Es tritt nämlich bei Dauereinnahme von Nitraten eine Gewöhnung ein, so dass der Nitratkopfschmerz rasch nachlässt und nach einigen Tagen in der Regel ganz verschwindet. Leider gibt es diese Gewöhnung oder Toleranzentwicklung in einem gewissen Maße auch bei der erwünschten Wirkung der Erweiterung der Herzkranzgefäße. Darum sollte man nicht mit einer Dauertherapie rund um die Uhr mit Nitraten versorgt werden. Vielmehr sollte man morgens (ggf. auch morgens und mittags), aber niemals morgens und abends ein Langzeitnitrat einnehmen, damit in der „nächtlichen Lücke“ die Gefäße wieder zu ihrer Nitratempfindlichkeit zurückfinden. Nitrate – die wichtigsten Präparate (unvollständige Aufzählung)
Es gibt Zerbeißkapseln, Sprays und Infusionslösungen zur Akutbehandlung sowie Tabletten, Retardtabletten, Tropfen, ja sogar Pflaster oder Salben zur Langzeitbehandlung. Die Rote Liste enthält zurzeit 62 verschiedene Handelspräparate. Unter Berücksichtigung verschiedener Dosierungen (teilweise Präparate mit 5, 10, 20, 40, 60 und 120 mg) sowie Darreichungsformen ergeben sich mehrere hundert verschiedene Nitrat-Präparate. In der Akuttherapie beim Herzanfall möchte man rasch hohe Wirkspiegel in den Gefäßen und am Herzen erzielen. In der praktischen Anwendung (auf die klinische Anwendung von Infusionen soll hier verzichtet werden) werden dafür Zerbeißkapseln oder Nitrospray verwendet. Die Nitrolösung sollte dabei einige Minuten im Mund behalten und dann untergeschluckt werden. Das Nitrat wird dabei über die Mundschleimhaut aufgenommen und wirkt darum auch viel schneller als beim Schlucken einer Tablette, wobei das Nitrat dann erst über die Darmschleimhaut aufgenommen und in der Leber teilweise verstoffwechselt wird. Allerdings wirkt es als Kapsel oder Spray auch nur sehr kurz. Nitrate: Gegenanzeigen
Es verbietet sich natürlich, Nitrate wegen ihrer blutdrucksenkenden Wirkung dann einzusetzen, wenn der Blutdruck und der Kreislauf bereits daniederliegen. Ganz besonders wichtig: Bei Einnahme von Mitteln gegen erektile Dysfunktion (z.B. Viagra®) hat es einige Todesfälle gegeben. Hierzu ist es fast nur dann gekommen, wenn gleichzeitig Nitrate genommen wurden. Nitrate: Anwendungsbeschränkungen
Nitrate: Nebenwirkungen
Nitrate: Wechselwirkungen
Aufgrund der starken Kreislaufwirkung von Nitraten ist besondere Vorsicht bei der gleichzeitigen Einnahme andere Medikamente angebracht, die ebenfalls die Gefäße und den Blutdruck beeinflussen. Auch Medikamente gegen Depressionen sowie Alkohol können zu einer deutlichen Verstärkung der Blutdrucksenkung führen. Nitrate: Fazit Nitrate
sind lange bewährte Herzmedikamente und aus der Akut- und aus der
Dauerbehandlung von Patienten mit Verengungen der Herzkranzgefäße nicht mehr
wegzudenken. Unter Berücksichtigung der Wechselwirkungen und Gegenanzeigen
handelt es sich um sehr sichere Medikamente, deren Nebenwirkungen entweder
harmlos und reversibel oder sehr selten sind. All dies ändert natürlich nichts
an der Tatsache, dass Nitrate eine rein symptomatische Therapie darstellen. Die
Herzkranzgefäße werden kurzfristig solange erweitert, wie das Nitrat am Gefäß
wirkt. Eine dauerhafte, die eigentliche pharmakologische Wirkung überschreitende
Erweiterung kann damit nicht erzielt werden. Auch das Fortschreiten einer
Trotz
der guten, aber nur symptomatischen Wirkung der Nitrate kommt der Koronarpatient
nicht umhin, ursächlich an seiner Krankheit anzusetzen. Dazu gehört die
Optimierung der Gefäßrisikofaktoren wie
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Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten stehe ich Ihnen im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in der naturkundlichen Privatambulanz.
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